Zwischen Verfolgung und Rekrutierung: Sinti und Roma in der Wehrmacht

Felix Eickelmann begab sich auf Spurensuche einer wenig bekannten Geschichte

Veröffentlicht von F. Eickelmann/Redaktion

Anton Reinhardt ist der Stolz seiner Familie. Für viele Sinti ist es eine Beruhigung, einen Wehrmachtsangehörigen in der Familie zu haben, denn die Uniform bietet gewissen Schutz vor Diskriminierung. Anton ist fast zwei Meter groß. Er hat sich, weil andere Uniformen nicht passten, von seinem letzten Geld das deutsche „Ehrenkleid“ gekauft und steht in Polen und Frankreich an der Front. Nachdem er verwundet wird, kommt er in Ulm an den Schreibtisch einer Munitionsfabrik. 1942 ruft sein Vorgesetzter ihn zu sich. Bei ihm sind zwei Männer vom SD, dem von Heinrich Himmler ins Leben gerufenen sogenannten „Sicherheitsdienst“, die ihn packen und die Uniform vom Leib reißen. Ebenso sein Verwundetenabzeichen und die Orden. Einige Zeit muss Anton Reinhardt noch bei der Munitionsfabrik in Ulm arbeiten. 1943 wird er mit seiner hochschwangeren Frau und den drei Kindern nach Auschwitz deportiert und ermordet. (1)

A. Reinhardt, (c) Dokumentations- und Kulturzentrum

Bereits im ersten Weltkrieg kämpften Sinti und Roma als Soldaten an der Seite anderer deutscher Soldaten. Die meisten von ihnen waren deutscher Herkunft, hatten die deutsche Staatsbürgerschaft. Daher wurden sie zum Dienst an der Waffe eingezogen. Dies gilt nicht nur für die Wehrmacht, auch in der französischen Armee leisteten Männer aus der Minderheit ihren Dienst an der Waffe. Mit der sich abzeichnenden Niederlage 1918 wurde Sinti und Roma, die im Heer dienten, vorgeworfen, in Massen Fahnenflucht begangen zu haben. Diese Behauptungen entbehrten jeglicher Grundlage und waren verschwörungstheoretischer und rassistischer/klischeegeprägter Natur. (2)

Bilder von deutschen und französischen Soldaten im Ersten Weltkrieg in der Ausstellung "Das vergessene Gedächtnis" (Juni-Oktober 2024), (c) Dokumentations- und Kulturzentrum

Sinti in der Wehrmacht

Auch im Zweiten Weltkrieg wurden viele Männer der Minderheit, wie schon 1914, eingezogen. Jedoch galten für sie von Beginn an andere Regeln. Auch wenn sie viel leisteten und selbst wenn sie die Unterstützung ihrer Vorgesetzten hatten, durften sie aufgrund ihrer Herkunft nicht befördert werden, wie etwa das Beispiel von Walter Stanoski Winter zeigt. Die rassistische Behandlung von Sinti und Roma, die als Soldaten dienten, hat eine Vorgeschichte: Ab 1935 wurden Juden explizit aus der Wehrmacht ausgeschlossen. 1937 verabschiedete Reichskriegsminister Werner von Blomberg ein Verbot für „Zigeuner“ und Personen mit „besonders auffälligem Einschlag von Zigeunerblut“, sogenannte „Zigeunermischlinge“, aktiven Wehrdienst zu leisten. 1939 sollten Juden und Sinti und Roma (aus dem Deutschen Reich, Österreich und dem annektierten Sudetenland) nach Polen deportiert werden. Kurz darauf erfolgte der „Festsetzungserlass“ Himmlers, dem seit1940 Deportationen folgten.

Nachdem ein Sinto mit dem EK I, dem Eisernen Kreuz erster Klasse, ausgezeichnet worden war, war für die Nazis klar, dass ein „Fremdrassiger“ eine solch hohe Auszeichnung nicht erreichen konnte, allein schon, weil sie in der Ideologie zu solchen Leistungen gar nicht fähig seien. Die Folge war ein Erlass im Oktober 1940, dem zufolge Sinti und Roma aus bestimmten Dienststellenausgeschlossen werden sollten, rassistisch abgestuft waren sogenannte „Mischlinge“ nun nur noch für die Ersatzreserve II zugelassen (Allgemeine Heeresmitteilungen Sommer 1941). Ab 1941 wurden schließlich alle Sinti und Roma aus der Wehrmacht ausgeschlossen. Dieses Ausschlussverfahren verzögerte sich jedoch, da einige Vorgesetzte, teils womöglich aus Ablehnung der rassistischen Politik, teils aus soldatischem „Ethos“, die Befehle zögerlich umsetzten. Dennoch war bis 1942 fast kein Sinto oder Rom mehr im Dienst.

Walter Winter, (c) Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Zynische "Angebote": Auschwitz und die Sinti-Soldaten

Der „Auschwitz-Erlass“ Himmlers vom 16.12.1942, bildete die Grundlage für Deportationen von Sinti und Roma nach Auschwitz-Birkenau und ihre systematische Ermordung. Unter ihnen waren auch Soldaten der Wehrmacht, die teilweise noch in Uniform, teilweise mit Kriegsdienstauszeichnungen deportiert wurden. Die Begebenheiten im Lagerabschnitt BIIe, waren katastrophal. Wer nicht sofort vergast wurde, starb an Unterernährung, Entkräftung, Seuchen, Infektionskrankheiten oder durch die Misshandlungen der SS. Kein einziges der 371 in Auschwitz-Birkenau geborenen Kinder überlebte.

Sinti und Roma, so das zynische „Angebot“, konnten, wenn sie sich einer Sterilisation unterzogen, entlassen werden. Die Familie der zu sterilisierenden Personen war darin jedoch nicht inbegriffen.

Am 16. Mai 1944 brach die SS eine Vernichtungsaktion gegen Sinti und Roma im Lager Auschwitz ab. Grund war ein Aufstand der Gefangenen im Abschnitt BIIe. An diesem Tag sollte der Lagerabschnitt aufgelöst und sämtliche Inhaftierten vergast werden. In der Folge deportierte die SS die arbeitsfähigen jungen Männer und Frauen mit ihren Familien in andere Konzentrationslager. Viele von ihnen waren ehemalige Soldaten, die oftmals direkt von der Front nach Auschwitz-Birkenau verschleppt worden waren. In der Nacht vom 2. zum 3. August 1944 wurden dann die letzten 4.300 im Lagerabschnitt BII e noch lebenden Menschen in den Gaskammern ermordet, die meisten waren Frauen, Kinder, Alte und Kranke. Dieser Tag ist heute der internationale Gedenktag an die Opfer des Holocaust an den Sinti und Roma Europas.

Zu den Tätern gezwungen: Rekrutierung für die SS

Infolge der Kriegswende um Stalingrad und des Vorrückens der Alliierten benötigte die deutsche Wehrmacht neue Reserven. Hierfür wurde Anfang 1945 die „Einheit Dirlewanger“ herangezogen. Oskar Dirlewanger, 1922 in die NSDAP eingetreten, hatte ein dreizehnjähriges Mädchen vergewaltigt. 1934 wurde der notorische Trinker und Betrüger zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Kurz nach seiner Entlassung kam er wegen Veruntreuung wiederum ins Gefängnis und genoss daher innerhalb der SS keinen guten Ruf. Die Einheit Dirlewanger speiste sich zunächst aus solchen, wie Dirlewanger vorbestraften SS-Mitgliedern und Wehrmachtsangehörigen und entwickelte sich zu einer Art „Bewährungseinheit“. Später, ab 1942, wurden auch KZ-Häftlinge rekrutiert. Dazu gehörten „Berufsverbrecher“, als „Asoziale“ Stigatisierte, politische Gefangene und ehemalige Wehrmachtsangehörige der Sinti und Roma. Diese wurden aus dem Reich, aber auch aus Polen, in die KZs Sachsenhausen und Ravensbrück deportiert, von wo aus sie wiederum/erneut rekrutiert wurden. Vorbild für Heinrich Himmler war das Vorgehen Heinrichs I. (876–936), der straffälligen, aber kampferprobten Personen seinerzeit Land und Geld gewährte, sollten sie die vordringenden Barbaren (= Slaven) zurückschlagen. Die Einheit Dirlewanger wirkte u.a. bei der Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto 1944 mit und verübte mit SS, Polizei und Wehrmacht dort mehrere Massaker.

Aus Sicht der verfolgten Sinti und Roma scheint es unvorstellbar, dass sie nun für jene SS, die sie über Jahre hinweg misshandelt, deportiert und getötet hatten, kämpften und mit ihren Peinigern Verbrechen begehen mussten.

Biografien von Sinti und Roma in der Wehrmacht:

Josef Höllenreiner, geboren 1904, wurde 1939 zum Luftwaffen-Baubataillion eingezogen, am 30. November 1941 jedoch wieder entlassen, weil er Sinto war und „nicht wert, das deutsche Ehrenkleid zu tragen“ (Bannenberg Jahr u.a. S. 49). Zusammen mit anderen Personen aus der Minderheit? wurde er zwangsverpflichtet, für die Stadt zu arbeiten. Der Lohn wurde nur zur Hälfte gezahlt und reichte knapp zum Überleben. Im März 1943 wurden seine Familie und er mit anderen Sinti in den frühen Morgenstunden in eine Sammelzelle der Polizei gesperrt. Sein Sohn Hugo erinnert sich: „Der Dada hat nie gedacht, dass er wegkommt, er hat die deutsche Staatsbürgerschaft, hat den Krieg mitgemacht, sein ältester Bruder hat den Vierzehn-achtzehn Krieg mitgemacht, der Großvater ist wieder in einem Krieg dabei gewesen. Wir sind seit sechshundert Jahren in Deutschland.“(3) Die Familie wurde nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Vater Josef musste vor den Krematorien die Sachen der Toten aufräumen. „Wenn Dada mit seinen Kollegen die Sachen aufhob, waren die Besitzer meistens schon tot oder schon Asche, Als die Lagerstraße gefroren war, musste Asche gestreut werden. Und alle ahnten, woher sie kam.“ Nach dem Aufstand im Lagerabschnitt BIIe am 16. Mai 1944, offerierte die SS ein Angebot: Alle ehemaligen Wehrmachtsangehörigen, die sich zum erneuten Dienst an der Front meldeten, kämen frei, ebenso ihre Familien. Die Soldaten wurden in das KZ Ravensbrück gebracht und von dort aus für die Einheit Dirlewanger rekrutiert, mit der er gegen die vorrückende Rote Armee kämpfen musste. „Dada“ Josef Höllenreiner überlebte den Krieg und kam zu seiner Familie zurück. Dort herrschte Schweigen über die Vergangenheit.

Karl Reinhard, geboren 1900 in Lenders/Thüringen, war Sinto. Seine älteren Brüder dienten als Soldaten im Ersten Weltkrieg. Karl war ein sehr begabter Sänger und Musiker, spielte Geige, Akkordeon und Mundharmonika. Aus der Ehe mit seiner Frau gingen zwischen 1920 bis 1942 zehn Kinder hervor, sieben davon wurden Musiker. Die Familie wurde 1932 in Koblenz sesshaft und von dort aus mehrere Male verjagt oder „festgesetzt“. Sie wurden „rassenbiologisch“ untersucht und als „Ziegeunermischlinge“ kategorisiert. Im August 1939 wurde Karl Reinhard zur deutschen Wehrmacht eingezogen und hatte zuletzt den Rang eines Oberfeldwebels inne. Auch seine musikalischen Fähigkeiten wurden im Heer sehr geschätzt, trat er dort doch öfter mit einem kleinen Ensemble auf und bildete mit seinem Schwager ein Duo, das gemeinsam Schallplatten produzierte. Im November 1941 wurde er, weil er Sinto war, aus der Wehrmacht entlassen, ebenso seine Brüder. Im März 1943 wurden Karl Reinhard, seine Frau und neun Kinder nach Auschwitz deportiert. Als man ihm eine Sterilisation vorschlug, lehnte er ab. Er sagte: „Ich bleibe hier und sterbe lieber zusammen mit meiner Familie.“ Nach einer Selektion 1944 wurde Karl Reinhard, gemeinsam mit einigen seiner Söhne, als „arbeitsfähig“ eingestuft und ins das KZ Ravensbrück verlegt. Später gehörte auch er zu jenen, die zur SS-Strafeinheit Dirlewanger gezwungen wurden. Ihm wurde diesmal versprochen, dass seine Familie freikäme. Dies wart allerdings nur eine Finte, und die Familienmitglieder von Karl Reinhard wurden in weitere KZs verschleppt. Karl Reinhard überlebte den Krieg und kehrte zu den Überlebenden seiner Familie zurück. Er starb 1955.

Johann Wilhelm Trollmann, geboren 1907 in Wilsche, Kreis Gifhorn, wurde aufgrund seiner gerade gewachsenen Statur „Rukeli“ („Baum“) gerufen. Schon früh erkannte man sein Talent fürs Boxen, und bald nach seinem Debüt im Ring gewann er die Kreismeisterschaft, viermal die Regionalmeisterschaft und wurde schließlich norddeutscher Meister. Sein Stil war spektakulär und kam beim Publikum gut an. 1928 wurde er vom deutschen Reichsverband für Amateurboxen nicht für die olympischen Spiele nominiert. Seine Leistungen seien ungenügend gewesen, so die fadenscheinige Begründung. Sehr wahrscheinlich wollte die olympische Nationalmannschaft sich nicht von einem Sinto vertreten lassen. Dieser Ausschluss bewog ihn 1929 dazu, Profiboxer zu werden, und Johan Trollmann kämpfte sich bis 1932 zur internationalen Spitze. Mit der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten änderte sich sein Leben drastisch, denn er stellte für die Nazis eine Bedrohung dar. Entsprach er doch gerade nicht dem propagandistischen Bild eines körperlich überlegenen sogenannten „arischen“ Herrenmenschen – und zeigte damit auf, wie falsch und konstruiert diese Vorstellung war. Als er ein Kampf klar nach Punkten gewann, erhielt die Jury Anweisung, Trollmann nicht zum legitimen Gewinner zu küren, was die Jury befolgte. Nachdem das Publikum eine halbe Stunde lautstark protestiert hatte, wurde ihm schließlich doch der Siegeskranz überreicht. Eine Woche später wurde ihm der Titel des Meisters im Halbschwergewicht aberkannt. Schließlich wurde Trollmanns Karriere völlig beendet und er musste sich die Folgejahre als Boxer auf Jahrmärkten durchschlagen. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs, 1939, wurde auch Trollmann in die Wehrmacht einberufen. Mehrere Einsätze an der West- und Ostfront folgten, wo er 1941 verwundet wurde. 1942 wurde er aus besagten „rassepolitischen“ Gründen aus der Wehrmacht entlassen. Seine Familie war zu diesem Zeitpunkt schon in Lagern interniert. Trollmann wurde verhaftet und in das KZ Neuengamme bei Hamburg deportiert. Als man ihn dort als ehemaligen Boxer erkannte, musste er jeden Abend – nach getaner Schwerstarbeit und völlig erschöpft – dem Boxtraining der SS als Sparringpartner dienen. Als er in das Nebenlager Wittenberge gebracht und auch dort als Boxer erkannt wurde, besiegte er seinen Gegner – einen berüchtigten Kapo – zwar, dieser ließ ihn als Rache aber anschließend bis zur Erschöpfung arbeiten und erschlug ihn anschließend mit seinem Knüppel. Ein Mithäftling, der das KZ überlebte, brachte dies später zur Aussage. 2003 sprach der Deutsche Berufsboxerverband den 1933 aberkannten Titel im Halbschwergewicht und überreichte seiner hinterbliebenen Familie den Meistergürtel. Johann Trollmann ist der erste Sinto, der nach über 600 Jahren eine öffentliche Ehrung erhielt.

Walter Stanoski Winter, geboren 1919, war Kind einer Schaustellerfamilie. Er war ein sehr sportlicher junger Mann, der in verschiedenen Sportvereinen aktiv war, u.a. im Fußball. Als er 1938 zum Reichsarbeitsdienst kommt, fragt er sich nach kurzer Zeit, warum alle anderen aus seiner Einheit befördert werden, nur er nicht. Die Antwort: „Zigeuner werden nicht befördert“. Als Soldat kam er 1940 zur Marine und absolvierte mehrere Spezialausbildungen. Er wurde laut mehreren Vorgesetzen als „sehr guter Soldat“ kategorisiert, „geradezu vorbildlich“ und wurde weder von Kameraden, noch von Vorgesetzten diskriminiert. Da er ein guter Soldat war erhielt er, nachdem alle anderen Sinti aus der Wehrmacht ausgeschlossen worden waren, das Angebot in der Marine zu bleiben, allerdings ohne Aussicht auf jegliche Beförderung. Er quittierte den Dienst und arbeitete in einer Munitionsfabrik. Im März 1943 wurde er verhaftet und nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurden alle ehemaligen Soldaten aussortiert. Sein Bruder Erich wurde Blockältester, Walter Winter Blockschreiber. Zum Aufstand erinnert sich Walter Winter:

„Wir wussten genau, wie die SS vorging. Erst rufen sie, dass alle raustreten sollen, dann reißen sie die Blocktore auf, stürmen herein und brüllen: ‚Raus, raus, raus!‘ Wir haben verabredet: ‚Wenn sie bei uns anfangen, gehen wir nicht aus dem Block. Und zwar alle nicht. Wir rühren uns einfach nicht. Wir müssen uns aber mit irgendetwas bewaffnen, mit Latten oder sonst etwas, und damit stehen wir dann hinter der Tür. Wir lassen sie reinstürmen, greifen uns die SS-Leute und versuchen, an ihre Maschinengewehre zu kommen.‘ Wir wären alle bereit gewesen zu schießen, denn wir hatten sowieso nichts zu verlieren. Ich glaube, sogar ich hätte geschossen. In der Überzahl waren wir immer, aber wir waren immer unbewaffnet, deshalb konnten wir nie etwas gegen unsere Peiniger ausrichten.“

Nach dem Aufstand im Juli 1944, wurde er als ehemaliger Soldat in das KZ Ravensbrück gebracht und anschließend in das KZ Sachsenhausen. Dort wurden sie als ehemalige Soldaten in SS-Uniformen eingekleidet und mussten noch im April 1945 in der Sondereinheit „Dirlewanger“ gegen die Rote Armee kämpfen. Walter Winter erinnert sich: „Was das bedeutete, ist mir erst viel später klar geworden. Damals konnte ich nicht wissen, dass diese Sondereinheit […] eine der berüchtigtsten Einheiten war, die unter ihrem Anführer Oskar Dirlewanger allerschlimmste Gräueltaten verübt hatte. Folter, Plünderungen, Vergewaltigungen, Verbrechen an Kindern, Alkoholexzesse waren jahrelang an der Tagesordnung gewesen. Die Truppe bestand hauptsächlich aus Strafgefangenen, die aus Gefängnissen und den KZs geholt wurden“. Auch Walter Winter überlebte den Krieg und arbeitete danach wieder als Schausteller. Er beendete seine Karriere 1992. Neben seinem Beruf arbeitete er ehrenamtlich als Zeitzeuge für verschiedene Projekte und erhielt dafür 2008 das Bundesverdienstkreuz.

 

Fußnoten:

(1) Bannenberg, Dagmar/Klawitter, Petra/Klawitter, Holger: Aber es ist nie darüber gesprochen worden. Sinti und Roma als Feldgraue in den beiden Weltkriegen. Rövershagen 2013. S. 73.

(2) Riechert, Hansjörg: Im Gleichschritt Sinti und Roma in Feldgrau. In: MGM 53 (1994). S.

(3) Zitiert nach Bannenberg, Dagmar/Klawitter, Petra/Klawitter, Holger: Aber es ist nie darüber gesprochen worden. Sinti und Roma als Feldgraue in den beiden Weltkriegen. Rövershagen 2013. S. 49.

Literatur:

Riechert, Hansjörg: Im Gleichschritt… . Sinti und Roma in Feldgrau, in: Militärgeschichtliche Mitteilungen 53 (1994). S.377–398.

Allgemeine Heeresmitteilungen Sommer 1941, https://www.sintiundroma.org/de/set/020631a/?id=135&z=9 [letzter Zugriff: 20.1.2025]

Bannenberg, Dagmar/Klawitter, Petra/Klawitter, Holger: Aber es ist nie darüber gesprochen worden. Sinti und Roma als Feldgraue in den beiden Weltkriegen. Rövershagen 2013.

Walter Stanoski Winter: WinterZeit Erinnerungen eines deutschen Sinto, der Auschwitz überlebt hat, hrsg. von Thomas W. Neumann/Michael Zimmermann, Hamburg 1999.

Awosusi, Anita: Vater unser. Eine Sintifamilie erzählt, Ubstadt-Weiher 2016.

Gutachten von Karola Fings zum Festsetzungserlass, https://zentralrat.sintiundroma.de/wp-content/uploads/2020/02/dr.-karola-fings_gutachten-zum-festsetzungserlass.pdf [letzter Zugriff: 20.1.2025].

Kontakt zum Autor

Felix Eickelmann studiert im Master of Arts Geschichtswissenschaft mit dem Schwerpunkt Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Heidelberg.

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