Projektbild Operettenfrack von Zeitzeuge Mirano Cavaljeti-Richter

Über das Projekt

Lange Zeit war die Geschichte von Sinti und Roma nicht Teil der europäischen Erinnerung an den Holocaust. Auch die Nachgeschichte des nationalsozialistischen Massenmords an über 500.000 Menschen dieser Minderheit ist erst seit wenigen Jahren Teil öffentlich geführter Debatten und Auseinandersetzungen.

Ab den 1970er-Jahren forderte die Bürgerrechtsbewegung in Heidelberg eine Aufarbeitung und Anerkennung des Leidens unter nationalsozialistischer Herrschaft und ein Ende alltäglicher Diskriminierung. Sinti und Roma stritten für ihre Rechte. Auch in anderen Ländern Europas, die nicht unter dem Regime der Nazis standen, wie Frankreich, Großbritannien, Ungarn oder Spanien formierte sich Protest gegen Diskriminierung – auch hier waren (und sind bis heute) Menschen von Antiziganismus betroffen.

Nach langen Protesten, Besetzungen und einem Hungerstreik im Konzentrationslager Dachau 1981 erfolgte in Deutschland endlich, 1982, die Anerkennung der Verfolgung von Sinti und Roma während des Nationalsozialismus. Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt bekräftigte:

„Sinti und Roma ist durch die NS-Diktatur schweres Unrecht zugefügt worden. Sie wurden aus rassischen Gründen verfolgt. Viele von ihnen wurden ermordet. Diese Verbrechen haben den Tatbestand des Völkermordes erfüllt.“

Bundeskanzler Helmut Schmidt, 1982

Seit 1997 besteht das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. Es bietet eine einzigartige Dauerausstellung zum Holocaust. Auf diesen bestehenden Strukturen und den Errungenschaften der Bürgerrechtsbewegung baut das Projekt „Das vergessene Gedächtnis“ auf.

Verlorenes wiederfinden. Collage mit Fotoaufnahmen

„Sammeln dehnt unseren Zeithorizont in die Vergangenheit und in die Zukunft.“

Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann, 2008

Verlorenes wiederfinden, Verschwundenes als Leerstelle zeigen, Erinnerungen erhalten – darum geht es im Projekt „Das vergessene Gedächtnis“. Die Spuren von Menschen, die gelebt haben und die leben, sollen wieder sichtbar gemacht, Biografien erzählt werden – von jenen, die etwa als Kind die NS-Zeit überlebten, aber auch von deren Kindern und Enkeln. Gegenstände und Gespräche vermitteln in ihrer Vielfalt Vergangenes anschaulich. Sie zeugen zugleich von der lebendigen Kultur und Geschichte von Sinti und Roma, die nicht im Nationalsozialismus endete.

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Buch mit Handschuhen. Aufbau  einer musealen Sammlung zur Geschichte der Sinti und Roma

Projekt & Team

Das Projekt „Das vergessene Gedächtnis“ ist am Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg angesiedelt und wird im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.

„Das Projektteam hat den Auftrag, eine museale Sammlung aufzubauen [...] Die Sammlung soll für heute, morgen und alle Tage der Zukunft, Ort der Selbstpräsentation von Sinti und Roma sein – so ein Ort fehlte bis heute in der deutschen Kulturlandschaft.“

Projektleiterin Vera Tönsfeldt, 2023

Seit 2023 baut ein wissenschaftliches Team eine museale Sammlung zur Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland und Europa während der NS-Zeit bis heute auf. Im Mittelpunkt stehen Lebenserzählungen von Mut und Widerstand.

„Ich hätte bei der Gründung des Zentralrats vor über 40 Jahren nicht zu träumen gewagt, was wir heute politisch erreicht haben. Die Gleichstellung der Minderheit und die Anerkennung ihrer Würde, die unser Grundgesetz allen Menschen zuschreibt, wurden von der Bürgerrechtsbewegung gegen große Widerstände erkämpft. Es hat nach dem Zweiten Weltkrieg fast 40 Jahre gedauert, bis der Holocaust an 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa völkerrechtlich anerkannt wurde und noch heute setzen wir uns dafür ein, das Bewusstsein für die reichhaltige, sechshundertjährige deutsche Geschichte von Sinti und Roma zu stärken“

Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Romani Rose, 2024

Gemeinsam sorgt das Team am Dokumentationszentrum dafür, dass Gegenstände und Geschichten aufgefunden werden und, wenn die Objektgeberinnen und -geber einverstanden sind, ihren Weg in die Sammlung finden.

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Vera Tönsfeldt

Leitung

Dr. Birgit Hofmann

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Schwerpunkt PR- und Öffentlichkeitsarbeit

Bernd Bundschu

Videoredaktion

Sascha Hohl

Wissenschaftliche Mitarbeiter Sammlung

Thérèse Lindemann

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Sammlung (in Elternzeit)

David Rosenberg

Wissenschaftlicher Mitarbeiter Sammlung

James Anthony Dahmes

Studentischer Mitarbeiter

Felix Hahn

Studentischer Mitarbeiter