Eröffnung Sonderausstellung in der Bremeneckgasse 2, 69117 Heidelberg (Altstadt)

Eröffnung: Sonderausstellung „Das vergessene Gedächtnis“, Juni-August 2024

Seit dem 27.6.2024 ist im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma eine Vorabschau der neuen Sammlung zu sehen.

Veröffentlicht von Redaktion

Seit einem Jahr sucht das Team des Projekts „Das vergessene Gedächtnis“ unter Leitung von Vera Tönsfeldt Objekte aus der Geschichte von Sinti und Roma und zeichnet Zeitzeugengespräche auf. Gefördert wird das Vorhaben von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) in der Bildungsagenda NS-Unrecht. Nun wurden Fotos, Dokumente und Alltagsgegenstände erstmals auch Besucherinnen und Besuchern präsentiert. Die Sonderausstellung „Das vergessene Gedächtnis“ wurde mit einer Pressekonferenz und einem Podiumsgespräch eröffnet.

Das Überleben von Christian Pfeil glich einem „Wunder“. Von den dramatischen Umständen seiner Geburt im von Deutschland besetzten Polen im Jahr 1944 erzählte der Holocaust-Überlebende anlässlich der Ausstellungseröffnung auf dem Podium. Deutlich wird: Menschen, die den brutalen Verfolgungsmaßnahmen der Nazis hatten entgehen können, erfuhren auch nach dem Ende der NS-Zeit Ausgrenzung – viele von ihnen bauten sich dennoch, wie Christian Pfeil, der erfolgreiche Restaurants führte, eine neue berufliche Existenz auf. Mehrere Objekte hat er dem Sammlungsprojekt überlassen, darunter ein Behördenschreiben, das seiner Familie bescheinigte, „politische KZ-Häftlinge“ gewesen zu sein – eine Besonderheit.

Vera Tönsfeldt, Dr. Ralf Possekel, Romani Rose, Christian Pfeil, (c) Dokumentations- und Kulturzentrum

Statt Klischees solle eine neue museale Sammlung die Vielfalt der „Lebensrealität der Sinti und Roma“ abbilden, so der Vorsitzende des Dokumentationszentrums und Zentralrats Romani Rose. Dr. Ralf Possekel, Leiter des Bereichs Förderung und Aktivitäten der Stiftung EVZ betonte, dass es in der Erinnerung an „Schicksale und Erfahrungen der im Nationalsozialismus verfolgten Menschen“ auch darum gehe, „das kritische Gedächtnis Deutschlands zu stärken“. Vera Tönsfeldt machte noch einmal deutlich, dass der nationalsozialistische Staat auf eine völlige Auslöschung von Menschen und ihrer Erinnerung gezielt habe. Umso wichtiger sei es, das Verlorene wieder sichtbar zu machen.

Im Anschluss an das Pressegespräch und die Podiumsdiskussion wurde die Sonderausstellung eröffnet, die eine Auswahl aus den ersten mehreren hundert Objekten zeigt, die das Team bisher zusammengetragen, tiefenerschlossen und zur Konservierung vorbereitet hat.

In einem Raum im Gewölbekeller bündeln thematisch geordnete Stationen Geschichte jenseits von Stereotypisierung. In einer Vitrine liegen „Beweise des Unrechts“ – Zeitungsartikel über die Verbrechen der Nazis. Familienerinnerungen, darunter Fotoalben, Dokumente – und natürlich die Interviews selbst – erlauben einen Eindruck in persönliche Schicksale zwischen Überleben, Ausgrenzung, Neuanfang und Identität.

Wand der Ausstellung, (c) Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Von Franz-Elias Schneck stammt der elegante Stuhl, der 1937 neu im Haus seiner Großeltern stand. Im Interview erklärt der Student, der seine eigene Familiengeschichte erforscht und sich für die Rechte von Sinti und Roma einsetzt, wie wichtig ihm die „Gebrauchsspuren“ des Möbelstücks sind – diese verbinden Vergangenheit und Gegenwart.

Stuhl der Großeltern von Franz-Elias Schneck, (c) Dokumentations- und Kulturzentrum

In den Kunstwerken des Österreichers Alfred Ullrich ist das Trauma der NS-Vergangenheit mal ironisch, mal subtil, präsent. Fotos von französischen Soldaten im Ersten Weltkrieg zeugen von der großen Identifikation vieler Sinti und Roma mit den Staaten, in denen sie sich zuhause glaubten. Gegen den dennoch fortwährenden Ausschluss und die nach 1945 lange verweigerte Aufarbeitung der NS-Verfolgung mahnt ein Demonstrationsplakat von 1985: „Der Geist der Rassenpolitik ist noch nicht zu Ende“.

Objekte wie Opernfracks, Dirigentenschuhe und Gemälde machen kulturelle Leistungen der seit 600 Jahren zu Europa gehörenden Minderheit sichtbar und öffnen gedanklich einen gemeinsamen Raum in eine Zukunft jenseits von Ausgrenzung.

Aufbau der Ausstellung, (c) Dokumentations- und Kulturzentrum

Die Sonderausstellung, die einen Einblick in die Tätigkeit das weiterlaufenden Sammlungsprojekts „Das vergessene Gedächtnis“ bietet, ist noch bis zum 18. August 2024 im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in der Bremeneckgasse 2, 69117 Heidelberg (Altstadt) zu sehen, wo zugleich auch die Dauerausstellung geöffnet ist. Der Eintritt ist frei.

Öffnungszeiten:

Di: 9.30-19.45 Uhr

Mi, Do, Fr: 9.30-18.30 Uhr

Sa, So: 11.00-16.30 Uhr

Mo und an Feiertagen geschlossen

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